Enquete: Freigabe der Forststraßen für Mountainbikes?

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Der Tourismussprecher Georg Willi und der Sportsprecher Dieter Brosz hatten zur Enquete über die Freigabe von Forstraßen für Mountainbikes eingeladen.

Ausgangslage:

Rund 800.000 „Einheimische“ sowie zahlreiche Gäste suchen in Österreichs Wäldern und Bergen mit dem Mountainbike Erholung und sportliche Herausforderung. Vor 40 Jahren wurde die „Wegefreiheit“ im Wald geregelt. Das Forstgesetz erlaubt unter Beachtung bestimmter Einschränkungen in seinem § 33 das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken: Zum Wandern, Spazierengehen, Skifahren – nicht jedoch Radfahren, wohl weil das Mountainbiken 1975 gerade erst im Entstehen war.

Forststraßen bieten aufgrund ihrer Auslegung für schwere Lkw Platz für ein Miteinander der verschiedenen NutzerInnen im Wald. Die Nutzung aller Forststraßen für MountainbikerInnen legal zu ermöglichen, ist daher der Wunsch vieler – als zeitgemäße Weiterentwicklung der Wegefreiheit. Dafür braucht es aber einen politischen Konsens zwischen den verschiedenen Ansprüchen – von jenen, denen der Wald gehört, und jenen, die ihn nutzen wollen.

Neben vielen Betroffenen und der Tourismuswirtschaft treten auch große mitgliederstarke Alpin- und Freizeitorganisationen wie der Alpenverein und die Naturfreunde dafür ein. Es ist dabei übereinstimmend Linie, dass zu Fuß Gehende Vorrang genießen und andere berechtigte Interessen insbesondere des Naturschutzes und der Waldbewirtschaftung den nötigen Stellenwert behalten.

Die Enquete hat das Ziel, eine Lösung für die verschiedenen Ansprüche zu finden.

Diskutanten:

Dr. Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins
Andreas Pfaffenbichler, Präsident Verein upmove
Dr. Wolfgang Stock, Jurist mit Schwerpunkt Freizeitrecht
Dr. Petra Stolba, Geschäftsführerin Österreich Werbung
DDr. Veronika Grünschachner-Berger, Wildbiologisches Büro
Präsident DI Mag. Johannes Wohlmacher, Österreichischer Forstverein

Sollte es tatsächlich zu einer Gesetzesänderung kommen, bleibt zu hoffen, dass nicht nur Rechtsexperten und Politiker bei der Formulierung anwesend sind.

Meine Fragen:

  • Warum ändern wir vor einer generellen Freigabe nicht die Haftungsfrage der Grundeigentümer?
  • Weshalb wollen wir eine generelle Freigabe von Forststraßen nicht jedoch von Wanderwegen?
  • Weshalb sitzen in den Entscheidungsgremien für Freigaben selten die betroffenen Experten (Mountainbiker) aus der Zielgruppe?
  • Würde es uns nicht reichen, wenn wir bezogen auf die Zielgruppe attraktive und je nach Ballungsgebiet ausreichend freigegebene Wege erhalten in denen wir gemeinsam mit anderen Waldbesuchern legal biken könnten?
  • Warum wird kein Expertengremium eingerichtet, welches die Aufgabe hat die nachhaltige Entwicklung des Mountainbike-Tourismus in Österreich zu fördern?
    Dies könnte vor allem nach Kriterien Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätze, Jugendarbeit und Bewegung (Gesundheit), Ausbildung (Natur) ausgerichtet sein.
  • Weshalb erkennt kaum jemand das Potenzial der E-Mountainbikes, welches vor allem auch in strukturschwachen Regionen neue Arbeitsplätze schaffen kann, bzw. der Absiedelung vorbeugt.
  • Weshalb wird in Studien investiert nicht jedoch in die Umsetzung von Visionen, welche Märkte erschließen, die im Moment noch nicht vorhanden sind?

Mein Empfinden:

Grundsätzlich finde ich es gut, dass über dieses Thema diskutiert wird. Interessant jedoch, wie kompliziert Menschen miteinander umgehen, bzw. mit welchen Fakten diese für eine Diskussion ausgestattet sind.

Ich würde mich jetzt nicht als Experten bezeichnen, eher als gefährlichen „Halbwissenden“. Nichtsdestotrotz führen wohl die richtigen Fragen eher zum Ziel als polemische Debatten über Einzelfälle. Weiters gibt es bereits reichlich langjährige Erfahrung in der Schweiz, Italien und England und ein Gespräch mit Praktikern aus diesen Ländern würde wohl das eine oder andere an Zeit sparen und etwaige Fehler verhindern. Frei nach dem Motto nicht kopieren, sondern kapieren.

Diese und noch viele andere Fragen versuchen wir am Kongress zu thematisieren bzw. Lösungsansätze aufzuzeigen.

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Showing 4 comments
  • Georg Knaus

    Ein MTB-Modell wie in Tirol gehört dringend auf nationaler Ebene umgesetzt. Das wäre für alle Interessengruppen hilfreich und würde auch für die Grundeigentümer Klarheit schaffen. Vielleicht kann Georg Willi in dieser Sache etwas erreichen.

    MTB-Modell Tirol:
    https://www.tirol.gv.at/sport/radfahren/mountainbike/tiroler-mountainbikemodell-20/

  • admin
    admin

    Seitens der Politik wird laut Pressemeldung 2015 das MTB-Modell Tirol 2.0 als „die einzige Lösung“ präferiert. Die Initiativen zur generellen Freigabe der Forststraßen beziehen sich was die Vereine (Naturfreunde, Alpenverein) sowie aktuell die Enquete diese Woche anbelangt nur auf Forststraßen nicht jedoch auf Wanderwege. D.h. sollte eine Freigabe erreicht werden, ist die Abfahrt über Wege weiterhin zumeist illegal bzw. nicht offiziell erwünscht.

    Am Kongress haben wir zwei Masterminds des Wegemodell 2.0 vor Ort.

  • Georg Knaus

    Können Sie einschätzen wann mit einem MTB-Modell auf nationaler Ebene und einer einheitlichen Beschilderung für Österreich zu rechnen ist?

  • Hari
    Hari

    Nein, kann ich nicht. Bezogen auf die Informationen welche ich habe, handelt es sich hiermit nicht um ein nationales Thema, sondern ist dies seitens der Länder umzusetzen. Die Tiroler haben ein Beschilderungsmodell vorgestellt welches sich am Schweizer Modell orientiert. Die Salzburger werden dies mehr oder weniger übernehmen.

    Seitens den Entscheidungsträgern in den Vorfeldorganisationen bzw. in der Politik ist mein Wissensstand so, dass Mountainbike-Tourismus ein Nischengeschäft ist und somit prioritätsmäßig derzeit eher einen untergeordneten Rang einnimmt.

    Im angrenzenden Ausland und in manchen Regionen in Österreich wird dies anders gesehen und fleißig investiert bzw. einige verdienen damit auch bereits Geld bzw. schaffen dadurch Arbeitsplätze.

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